Ist die Naturkatastrophe in Japan eine Strafe Gottes?

Univ.-Prof. Dr. Heinz Oberhummer

Univ.-Prof. Dr. Heinz Oberhummer

Von Heinz Oberhummer

Eine Umfrage in der USA im Gefolge des Erdbebens und Tsunamis in Japan ergab, dass 38% der Amerikaner glauben, dass diese Naturkatastrophe ein Zeichen Gottes ist. Und ganze 29% glauben sogar, dass dadurch Gott Japan für die Sündhaftigkeit seiner Bewohner bestraft hat.  Bei den in Amerika wichtigen Evangelikalen ist sogar mehr als die Hälfte der Ansicht, dass Gott die Japanerinnen und Japaner mit dem Erdbeben und Tsunami wegen deren sündhaftem Lebenswandel bestraft hat.

Die Bibel als Vorbild

Ich bin mir nicht sicher wie eine solche Umfrage in Deutschland oder Österreich ausgehen würde, nehme aber einmal an, dass auch wie in Amerika etwa ein Drittel der Katholiken und Protestanten diese Naturkatastrophe als ein Zeichen Gottes sehen. Man muss dabei ja nur an ähnliche Aussagen des oberösterreichischen Bischofskandidaten Gerhard Maria Wagner zur Zerstörung von New Orleans durch den  Hurrikan Kathrina (“Strafe Gottes für Homosexualität”) und dem Salzburger Weihbischof Andreas Laun zur Katastrophe bei der Loveparade in Duisburg denken (“Gott straft aus Liebe”). Eigentlich ist diese Haltung vieler Christen und deren Repräsentanten ja auch nicht weiter verwunderlich, weil ja schon in der Bibel geschrieben steht, dass Gott in der Sintflut praktisch alle Menschen und Tiere umgebracht hat, weil die Menschen verdorben sind.

Nicht wenige Christen glauben, dass das japanische Erdbeben und der folgende Tsunami Gottes Plan und Werk sind. [Quelle: Wikimedia]

Ist Gott ein Massenmörder?

Nach der Ansicht der Bibel und mancher Christen ist also Gott nach seinem weisen Schöpfungsplan direkt für die Massenmorde im großen Stil durch Naturkatastrophen verantwortlich. Viele Theologen sagen dann aber: “Gottes Wege sind unergründlich!”. Bei den Taten Gottes ist zum Unterschied von den Menschen offensichtlich alles erlaubt. Bei den Massenmorden in der jüngeren Geschichte würde wohl niemand auf die Idee kommen als Ausrede gelten zu lassen, dass Hitlers, Stalins oder Pol Pots Wege bei ihrer Ermordung von Millionen von Menschen unergründlich waren.

Fazit

Ich bin jeden Tag aufs Neue froh und glücklich, dass ich in meinem Weltbild nicht an einen solchen Gott glauben muss.

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5 Responses to Ist die Naturkatastrophe in Japan eine Strafe Gottes?

  1. Immanuel says:

    Sehr geehrter Herr Professor,

    Ich denke nicht, dass Wagners Ansichten repräsentativ für die österreichischen Katholiken sind. Fundamentalistische Auslegung der Religion findet man am ehesten bei evangelikalen Freikirchen in Amerika oder auch im Islam.

    Selbst Richard Dawkins sagt, dass er weniger ein Problem mit der katholischen oder anglikanischen Kirche hat, welche inzwischen weitgehend vernünftig geworden sind. Das eindeutig größere Problem bei uns sei die Ausbreitung des Islam unter dem Deckmantel des Multikulturalismus. Wenn man aber dies kritisiere, würde man als Rassist beschimpft.

  2. alm says:

    Wagner ist Reräsentant der Kirche. Was, wenn nicht “repräsentativ” sind seine Aussagen. Das ist rollenimmanent.

  3. Immanuel says:

    Dass Wagner ein Repräsentant der Kirche ist, ist mir durchaus klar.

    Ich wollte nur andeuten, dass man von jenseitigen Aussagen einiger Bischöfe nicht unbedingt auf die Meinung österreichischer Katholiken schließen kann. Bischöfe kann man nicht wählen, also warum treten die meisten Katholiken nicht aus, wenn sie mehrheitlich solche absurden Ansichten ablehnen? Wahrscheinlich aus Tradition und weil sie die Kirche als Teil der österreichischen Kultur sehen.

    Auch Dakwkins Ansichten sind nicht repräsentativ für alle Atheisten.

  4. marco says:

    Hallo Liebe Leute,
    Gott straft nicht, zumindest nicht so, er schenkte uns den freien Willen, und so sind wir für manch eine Katastrophe selbst schuld.
    Schließlich muss man nichts tun nur weil man es kann.
    Die Nuklearwissenschaft war notwendig den auch im Bereich der Medizin spielt sie eine große Rolle, daher ist sie Segen und Fluch zugleich.
    Kernenergie nutzen ist so finde ich durchaus eine Sünde.
    Dies zu begründen mit es ist eine billige Art der Energiegewinnung ist schlicht und einfach falsch.
    Alleine die Kosten für Transport und Lagerungen belaufen sich in die Milliarden.
    Es ist ja nicht so als könne man sagen einmal Endgelagert kostet uns der Atommüll nichts mehr. Und der Steuerzahler finanziert dies.
    Nach einer Katastrophe wie in Japan sind die Kosten für die Volkswirtschaft wie auch der Weltwirtschaft nicht überschaubar.
    Was leider nicht bekannt ist die Betreiber eines AKW s haften nicht sondern in Deutschland haftet der Staat. Also ich und ihr.
    Aber von den Milliarden die erwirtschaftet werden sehen wir nichts.
    man kann sagen wir werden doppelt zur Kasse gebeten.
    Atomkraft ist eine Sünde, aber keine Gottesstrafe.
    Wie gesagt der Herr gab uns den freien Willen was wir daraus machen verantworten nur wir.

  5. Bravo Heiz Oberhummer für Ihren logischen und fairen Beitrag. Leider gibt es nicht viele Atheisten, die ihre Überzeugung publik machen. Das ist in viel größerem Umfang bei den Religionsangehörigen der Fall, die aus welchen Gründen auch immer mit dümmlichen Argumenten missionieren und erobern müssen. Durch solche Konflikte sind schon ein vielfaches mehr an Menschen gestorben als durch Atomenergie einschließlich der Bombe.

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