Atheistische Kampfverbände….

Markus Arch

Markus Arch

Von Markus Arch. Neulich bin ich bei den Kommentaren zu einem Artikel, veröffentlicht bei den Konfessionsfreien, auf einen sehr interessanten Begriff gestossen: Atheistische Kampfverbände. Damit sind wohl jegliche Organisationen gemeint, die sich um wahren Laizismus bemühen oder von ihrer Grundidee her einfach religionskritisch eingestellt sind. In Österreich würden da die Konfessionsfreien, AGATHE, der Freidenkerbund, der Zentralrat der Ex-Muslime, die gbs und noch einige mehr dazuzählen.

Interessant ist, dass dies nun Kampfverbände sein sollen, die einen Kampf gegen die Religion führen. So weit könnte man es ja noch irgendwie nachvollziehen, auch wenn das Wort “Kampf” doch stark übertrieben ist. Allerdings soll darin auch noch völlige Respektlosigkeit gegenüber religiösen Gefühlen und den positiven Seiten einer Religion implementiert sein, was vollkommen unverständlich ist.

Die Kritik und die Aktionen jener Verbände richten sich zumeist gegen institutionalisierte Religion, hierzulande großteils die katholische Kirche, und nicht gegen das Befinden einzelner gläubiger Personen. Jeder soll gerne glauben was er möchte, solange dieser Glaube Privatsache bleibt und niemandem schadet. Doch genau das Gegenteil ist in unserer Gesellschaft nunmal der Fall. Ich wiederhole mich, aber ein Blick in ein Geschichtsbuch sagt in dieser Hinsicht mehr als Tausend Worte. Oder auch ein Blick in die momentanen Machenschaften z.B. des Vatikan.

Mittels des Arguments der religiösen Befindlichkeit lässt sich nach wie vor viel erreichen, vor allem das Bloßstellen von Religionskritikern. Der Grund dafür ist, dass Religion immer noch als etwas Unantastbares angesehen wird, das zu kritisieren niemand berechtigt ist. Da individueller Glaube in Österreich selten etwas mit den offiziellen Dogmen und Standpunkten einer Instititution zu tun hat, wird davon ausgegangen, dass dieser individuelle Glaube einfach zu respektieren ist, und keinesfalls hinterfragt werden darf. Die Frage ist nur, warum.

In öffentlichen Diskussionen hat jeder, egal welche Weltanschauung er vertritt, das Recht seine Meinung offen zu äußern. Dabei ist es völlig egal ob es sich gerade um Religion, Musik, Politik, Mode oder was auch immer handelt. Religionskritiker machen sich sogar die Mühe, ihre Aussagen zu untermauern, und zwar mit mehr als der Aussage: “es ist so weil ich so glaube, und basta.” Wissenschaftliche Erkenntnisse, philosophische Einflüsse, Weltsichten beruhend auf naturwissenschaftlichen Erkenntnissen (z.B. evolutionäre Erkenntnistheorie) werden herangezogen, um den eigenen Standpunkt zu verdeutlichen. Im Endeffekt sind die Artikel bei vielen säkularen Organisationen ähnlich, da sich die jeweiligen Mitglieder und Vertreter damit beschäftigt haben und zu ähnlichen Schlüssen gelangt sind. Wobei sich hier wieder eine alte Falle auftut: die Argumentation, Atheismus ist auch nur ein Glaube.

Wissenschaftlicher “Glaube”

Zuerst einmal: ein Glaube definiert sich durch Vorstellungen, die niemand verifizieren oder falsifizieren kann. Wissenschaftlicher “Glaube” kann sehr wohl zumindest falsifiziert werden, wonach er überdacht werden muss. Die Sache ist nur, dass z.B. die Evolutionstheorie vermutlich nicht mehr falsifiziert wird, da sehr viele Indizien dafür sprechen. Dennoch sind Glaube an Gott und “Glaube” an Evolutionstheorie nicht vergleichbar, da letzterer drei Dinge erfüllt, auf die sich auch gesellschaftlich geeinigt wurde, um Arbeit und Forschung transparent und sinnvoll zu gestalten: Logik, Nachvollziehbarkeit, Schlüssigkeit.

Diskussionen mit gläubigen Menschen können auch für Ungläubige sehr spannend sein, wobei Letztere manchmal verständlicherweise etwas genervt sind dass sie sich immer wieder wiederholen müssen. Das ist aber bei jeglichem Sachverhalt der Fall, niemand wird wohl ernsthaft Spass daran haben immer dieselben Antworten auf dieselben Fragen geben zu müssen. Auch Gläubige vermutlich nicht.

Respektlosigkeit, Arroganz, das Fehlen von Moral

Wobei wir bei einem leidigen Thema angelangt sind: die immer gleichen Vorwürfe an Atheisten, nämlich Respektlosigkeit, Arroganz, das Fehlen von Moral und so weiter. Diese Vorwürfe waren von Anfang an nicht haltbar und sind es auch jetzt noch nicht, dennoch bekommt man sie gebetsmühlenartig ständig zu hören. Das Einnehmen von Standpunkten außerhalb religiösen Denkens hat viel mit Reflexion und Wissenserwerb zu tun, es ist nicht so dass irgendwann mal jemand auf die Idee kam zu sagen, wir brauchen Gott nicht. Die Argumentationen starten meist mit “wir brauchen Gott nicht, WEIL….”Aus diesem Grunde sind sie auch langatmiger und manchmal auch ohne Vorwissen schwer nachzuvollziehen. Was kein Grund dafür ist, die Argumentationen zu ignorieren, was dennoch aber manchmal der Fall zu sein scheint.

Ist es nicht eigentlich so, dass das ständige Wiederholen der gleichen, unhaltbaren Vorwürfe viel eher einem Kampfverein zuzuschreiben ist als das ständige Wiederholen von Argumentationsmustern, um sich verständlich zu machen?

Das Argument, Religionen würden Kraft geben, stimmt natürlich. Allerdings handelt es sich dabei nicht um den Glauben, den man eigentlich haben müsste, um z.B. zur kath. Kirche zu gehören, sprich: an die grundlegendsten Vorschriften wird nicht geglaubt. Welcher aufgeklärte Christ hierzulande denkt denn noch ernsthaft, dass der Papst unfehlbar ist und die Jungfrau Maria zum Zeitpunkt der Geburt ihres Sohnes tatsächlich Jungfrau war?

Religion ist Privatsache

Dieser individualisierte Glaube wird nicht bekämpft, sondern dahin verwiesen, wo er hingehört: in den Privatbereich. Klarerweise kann ein gläubiger Mensch auch öffentlich seine Meinung zum Besten geben, nur kann er diese Meinung wohl nie so objektiv und nachvollziehbar untermauern wie jemand, der sich mit Weltanschauungen ohne Gott ernsthaft beschäftigt hat. Letztlich ist es auch ganz egal, ob nun Gott oder andere, viel wahrscheinlichere Erklärungsmuster herangezogen werden, solange man sich bei den wichtigsten Punkten einig ist. Einer dieser Punkte wäre wohl Laizismus. Gegen tiefe, subjektive Überzeugungen kann man nicht ankommen, was auch nicht das erklärte Ziel ist.

Daher scheint mir der Begriff “atheisitscher Kampfverband” genauso ein inhaltsleeres Schlagwort zu sein wie Islamophobie oder Christianophobie. Ernsthaft haltbar ist er nicht.

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2 Responses to Atheistische Kampfverbände….

  1. M.J. Arch says:

    Danke, schaut sehr interessant aus. Nur schade, dass man zu Büchern nicht die Zeit, sie zu lesen, dazukaufen kann…

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