Ein klares „Nein“ zum Ethik-Etikettenschwindel

Religion ist Privatsache

Religion ist Privatsache

Offener Expertenbrief zur parlamentarischen Enquete „Werteerziehung durch Religions- und Ethikunterricht in einer offenen, pluralistischen Gesellschaft“

Wien, am 3. Mai 2011. Morgen, am 4. Mai 2011, findet eine parlamentarische Enquete statt. Der Titel klingt zwar vielversprechend, doch das Spiel ist abgekartet: am 4.5.2011 soll die flächendeckende Einführung eines verpflichtenden „Ethikunterrichtes“ als „Ersatzpflichtgegenstand“ für alle jene SchülerInnen, die den konfessionellen Religionsunterricht nicht besuchen, vorbereitet werden. Es wird somit geplant, einen wichtigen – und durchaus umstrittenen – Kernbereich der staatlichen Schulhoheit den Religionsgemeinschaften zu übertragen.

Keine Einladung für betroffene Konfessionsfreie

Über ein Fünftel der geladenen TeilnehmerInnen dieser Enquete sind direkte VertreterInnen einer gesetzlich anerkannten Religionsgemeinschaft. Mehr als ein weiteres Viertel der Delegierten sind einem unmittelbar oder mittelbar kirchennahen Entsender zuzuordnen. Und dass keine Vertretung der zweitgrößten Weltanschaulichen Gruppierung Österreich, der Konfessionsfreien – die wahren Adressaten dieser Enquete – geladen wurde, ist bezeichnend für die bevorstehende Farce.

50 Experten gegen religiösen Ethikunterricht

Die Initiative Religion ist Privatsache hat sich aus diesem Grund vorgenommen, den wahren ExpertInnen – PädagogInnen, PhilosophInnen und SoziologInnen – Mittels eines offenen Expertenbriefes ein Sprachrohr zu verleihen. In diesem Brief wird nicht nur die versteckte religiöse Motivation des geforderten Pflichtethikunterrichtes thematisiert sondern es werden auch drei Grundforderungen gestellt: das Abhalten einer seriösen Diskussion zur Notwendigkeit und Finanzierbarkeit eines Ethikunterrichtes im Rahmen des österreichischen Bildungssystems, die Gewährleistung der weltanschaulichen Neutralität und wissenschaftlichen Fundiertheit eines etwaigen verpflichtenden Ethikunterrichtes und, falls eingeführt, die Verpflichtung aller SchülerInnen, unabhängig von ihrer Weltanschauung oder konfessionellen Zugehörigkeit, diesen Ethikunterricht zu besuchen. Denn so, wie die Astrologie keinen Ersatz für Astronomie- und Astrophysik darstellt und die Schöpfungsgeschichte nicht als Alternative für die Naturwissenschaften – samt Evolutionstheorie – betrachtet werden kann, so bietet der konfessionelle Religionsunterricht keinen Ersatz für eine fundierte ethische Bildung – inklusive Religionskritik.

Das Ziel, mindestens 50 Unterstützungserklärungen zu erreichen, wurde binnen weniger Tage erreicht. Der offene Expertenbrief samt den ersten 50 Unterschriften wird somit veröffentlicht und allen Delegierten als Denkanstoß zur parlamentarischen Enquete mitgeliefert. Er soll lediglich veranschaulichen, dass Theologen und religiös motivierte PolitikerInnen keineswegs in ihrem Vorhaben auf einen „Ethik-Konsensus“ zurückgreifen können.

Die Zwangsmissionierung über einen religiös angehauchten „Ethikunterricht“ bzw. eine tendenziöse „Werteerziehung“ kann in einer Demokratie nicht geduldet werden. Und schon gar nicht in einer offenen, pluralistischen Gesellschaft.

Link zum Expertenbrief:

http://www.religion-ist-privatsache.at/webandco/downloads/Enquete/Expertenbrief.pdf

Rückfragenhinweis: Philippe Lorre,  steiermark@konfessionsfrei.at

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