Feiertagszuschlag nur noch für Katholiken: Konfessionsfreie protestieren

Der Zentralrat der Konfessionsfreien protestiert gegen den Vorschlag des steirischen Wirtschaftskammerfunktionärs Hermann Talowski, Feiertagszuschläge nur mehr an katholische ArbeitnehmerInnen auszubezahlen. »Der Vorschlag zeugt von Ahnungslosigkeit und einem erschreckend einfachen Weltbild«, kommentiert Philippe Lorre, Wirtschaftskammermitglied und Steiermark-Sprecher der Konfessionsfreien.

Feiertagszuschläge nur mehr für KatholikInnen? Der steirische Wirtschaftskammerfunktionär Hermann Talowski hält das in einem Interview für die kircheneigene Gratiszeitung Woche nur für fair. Er sehe nicht ein, dass auch ArbeitnehmerInnen etwas davon haben sollten, die keiner Religion angehören. »Herr Talowksi offenbart eine Ahnungslosigkeit, die ihn für seine Funktion disqualifiziert«, sagt Philippe Lorre, Steiermark-Sprecher der Konfessionsfreien.

In Österreich gibt es keine Lohn- oder Gehaltszuschläge für religiöse Feiertage. »Weihnachten, Oster und Co sind staatliche Feiertage zugegebenermaßen mit religiösem Hintergrund. Aber zu diesen Feiertagen haben alle frei – auch die etwa 30 % der SteirerInnen, die keiner Religion angehören oder nicht katholisch sind. Das beträfe also nicht nur Konfessionsfreie sondern auch ProtestantInnen, MuslimInnen, JüdInnen und so weiter. Daher wäre es staatlich sanktioniere Diskriminierung, für diese Menschen die Zuschläge zu streichen«, kommentiert Lorre.

»Außerdem, wie will der Herr Talowski das erheben? In der Praxis heißt das, dass der Arbeitgeber dem religiösen Bekenntnis oder Nicht-Bekenntnis der ArbeitnehmerInnen nachschnüffeln müsste. Diese Bespitzelung der Privatsphäre kann er doch wohl nicht ernst meinen.« Noch erschreckender sei, wenn man die Idee zu Ende denke: »In Wahrheit dürften dann nur die ArbeitnehmerInnen einen Feiertagszuschlag bekommen, die regelmäßig in die Kirche gehen. Das sind selbst nach kircheninternen Zählungen allerhöchstens zehn Prozent der katholischen ArbeitnehmerInnen – wenn man es genau durchrechnet, wahrscheinlich noch weniger. Wie der Herr Talowksi das erheben lassen will, schaue ich mir an. Das ist Totalüberwachung am Arbeitsplatz.«

Letztendlich würden Talowskis Vorschläge damit entweder auf Ausbeutung Nicht-Religiöser und von Nicht-KatholikInnen hinauslaufen oder auf Zwangsmissionierung im Betrieb. »Das ist nicht Aufgabe der Wirtschaftskammer und schon gar nicht des Staates«.

Am Problem vorbei

Wenn sich Herr Talowski schon Gedanken über die Kosten machen will, die Religionsgemeinschaften in Österreich verursachen, sollte er sich vorher schlau machen: »Die Steuerbefreiungen für Religionsgemeinschaften, Sonder-Vertretungsrechte und nicht zuletzt der konfessionelle Religionsunterricht kosten österreichweit jährlich etwa 1,5 Milliarden Euro. Das wird auch von der Wirtschaft mitfinanziert und ist mit Sicherheit mehr als die Feiertagszuschläge ausmachen. Wenn er dagegen etwas tun will, kann er zum Beispiel das Volksbegehren gegen Kirchenprivilegien unterschreiben.«

Lorre fordert die Spitze der steirischen Wirtschaftskammer und Bundeswirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl auf, zu den Ideen von Herrn Talowski Stellung zu nehmen: »Ich kann mir nicht vorstellen, dass das die Linie der Wirtschaftskammer ist«. Möglicherweise habe das auch Talowski nicht so ernst gemeint: »Offenbar ist ihm da die Sommerhitze zu Kopf gestiegen. Anders kann ich mir solche absurden Forderungen nicht erklären.« Bezeichnend ist aus Sicht Lorres das Forum, das Talowski für seine Ideen gewählt hat: »Das ist ausgerechnet die Gratiszeitung Woche, die dem Styria-Verlag gehört. Und damit der Diözese Graz-Seckau. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.«

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