Politik und Christentum

Markus Arch

Markus Arch

In Österreich ist die Trennung von Staat und Kirche noch lange nicht vollzogen. Dies ist einerseits an den immensen Zahlungen des Staates an die katholische Kirche bemerkbar, andererseits an Vorkommnissen wie der Unterstützung des ORF für die „lange Nacht der Kirchen“. Nach wie vor genießt das Christentum in diesem Land Privilegien, die ihm nicht zustehen und zumeist auf fragwürdigen historischen Gegebenheiten beruhen. Von Markus Arch

Der Religionsunterricht und die damit einhergehende Einmischung religiöser Institutionen in das Bildungswesen wurden mit dem austrofaschistischen Regime unter Dollfuß ausgemacht. Das RelUG ist in einem Konkordat von 1933 verankert worden und beinhaltet bspw. folgende Bestimmungen:

“Die wissenschaftliche Heranbildung des Klerus erfolgt an den vom Staate erhaltenen katholisch-theologischen Fakultäten oder an den von den zuständigen kirchlichen Stellen errichteten theologischen Lehranstalten.

Die für die Erziehung der Priesteramtskandidaten bestimmten Seminare, Konvikte und dergleichen kirchlichen Anstalten unterstehen in ihrer Einrichtung ausschließlich der kirchlichen Oberbehörde.”

Mit anderen Worten: der Staat bezahlt die aus heutiger Sicht unhaltbare Privilegierung einer einzigen Religionsgemeinschaft, beruhend auf den Vereinbarungen zwischen der katholischen Kirche und einem totalitären Regime. Selbstverständlich waren die Zeiten damals anders, und die kath. Kirche hatte noch weitaus stärkeren gesellschaftlichen Einfluß als heutzutage.

Traurigerweise jedoch sind selbst heutige Parteien immer noch nicht frei von veraltetem, christlich-religiösen Gedankengut. Als Volksvertreter einer demokratischen Republik sollte es wohl selbstverständlich sein, säkular-laizistisch zu agieren, dies trifft jedoch nur sehr selten zu.

Die FPÖ beispielsweise, mit ihrem Parteiobmann H.C. Strache, ließ eben diesen mit einem Kreuz in der Hand für die Verteidigung des christlichen Abendlandes werben. Parallel dazu mag dem einen oder anderen noch der Spruch „Abendland in Christenhand“ im Gedächtnis geblieben sein. Bei diesem Thema bin ich mir übrigens sicher, dass er nicht nur Wohlwollen unter den christlichen ÖsterreicherInnen geerntet hat.

Jedenfalls wird die Lüge, dass unsere demokratische Gesellschafts- und Werteordnung christlichen Ursprungs ist, auch dann nicht wahrer, wenn sie gebetsmühlenartig wiederholt wird. Heute geltende Werte wie Meinungsfreiheit oder Gleichbehandlung von Frauen und Männern mussten erst mühevoll gegen die Kirche erkämpft werden.

Eine weitere Partei von weltanschaulich Uninformierten ist die ÖVP. Neben der Behauptung, das Christentum habe unsere Demokratie maßgeblich geprägt, sieht diese das Kreuz als abendländisches Symbol und freut sich darüber, dass es weiterhin in Kindergärten und Schulen hängen darf, die sich eigentlich weltanschaulich neutral zu verhalten haben. Zu dem Urteil des österreichischen VfGH in dieser Thematik äußerte sich Erwin Pröll (nebst Strache) hocherfreut, auch wenn dieses Urteil gar nicht als Legitimation für das Christentum in Werte- oder Bildungsfragen gemeint war. Der einzige Grund, weshalb diese Partei kein „C“ im Namen trägt wie ihre deutschen Schwesternparteien, ist eine Namensänderung nach der Zeit des Austrofaschismus.

Solche Parteien, deren hohe Repräsentanten das Christentum allem Anschein nach als unverzichtbar für moralische Entscheidungen ansehen, kann nur als Blamage für ein fortschrittliches, mitteleuropäisches Land bezeichnet werden. Ethische Kodizes wie die allgemeine Erklärung der Menschenrechte, welche seitens des Vatikans übrigens immer noch nicht unterzeichnet wurde, entstanden frei von jeglichen religiösen Überzeugungen. Dies ist der einzige Grund, weshalb sie überhaupt universalistischen Charakter beanspruchen können. Mit kirchlichem Hierarchiedenken, welches die Welt in Gläubige und Ungläubige gliedert und Moral auf der Vorstellung eines längst widerlegten Bildes eines dreieinigen Gottes aufbaut, wäre so etwas kaum möglich gewesen.

Mit FPK und BZÖ als mehr oder weniger starke freiheitliche Ableger verhält es sich ähnlich. Seitens dieser relativ kleinen Parteien kann schon aufgrund ihrer Verankerung in veralteten und rational sowie aus humaner Sicht nicht nachvollziehbaren Denkweisen nichts anderes erwartet werden.

Lediglich SPÖ und Grüne verhalten sich antiklerikaler, haben aber ebenfalls religiös motivierte bzw. religiös verankerte Personen in ihren Reihen, wobei sie sich als Gesamtorganisation betont kirchenfreundlich geben. Eigentlich sollten sie es besser wissen, aber offene Kritik an der kath. Kirche scheint in der Alpenrepublik nach wie vor ein politisches Sakrileg zu sein. Eva Glawischnig zum Beispiel, die es sich ja angewöhnt hat überall lautstark ihre Meinung kundzutun, hat zu diesem Thema noch kaum ein Wort verloren.

Diese Situation ist als intellektuelles Armutszeugnis für Österreich zu werten, die Abwertung von Christentumskritikern zu „Krawallatheisten“ ist hierbei nur die Spitze des Eisbergs. Solange die offensichtlichsten Ungerechtigkeiten historischer oder auch brandaktueller Natur seitens der kath. Kirche nicht erkannt werden bzw. nicht erkannt werden wollen (da die Kirche nach wie vor unverständlicherweise als etwas „Gutes“ angesehen wird), hat diese fragwürdige Institution mit ihren längst überholten Ideen leichtes Spiel. Die österreichische Parteienlandschaft, beruhend auf irrationalen Vorstellungen von „christlichen Werten“, trägt ihr übriges dazu bei.

Bildquellen: Strache, Pröll

This entry was posted in Kirchen-Privilegien, ORF, Politik, Religion and tagged , , , . Bookmark the permalink.

One Response to Politik und Christentum

  1. “Heute geltende Werte wie Meinungsfreiheit oder Gleichbehandlung von Frauen und Männern mussten erst mühevoll gegen die Kirche erkämpft werden.” Das mag wohl stimmen, aber die Grundideen stammen aus der Bibel. Dass die katholische Kirche über Jahrhunderte hinweg den christlichen Glauben benutzt hat um ihre eigene Macht auszubauen ist ihr oft genug angekreidet worden. Nicht zuletzt von Martin Luther, der versucht hat, die Botschaft Jesu aus den Klauen der Missbraucher zu retten. Dass man aber gleich das Kind mit dem Bade ausschüttet und alles Christliche über einen Kamm schert und ablehnt, zeugt von massiven Informationslücken. Viele haben im Lauf der Geschichte Glaubensfreiheit IM NAMEN JESU gefordert.
    Und dass die ÖVP mit “christlich” nichts gemeinsam hat, ist auch altbekannt.
    Versuchen Sie bitte einmal, “christlich” und “katholisch” zu unterscheiden – es ist nämlich nicht dasselbe.
    Alle bis heute formulierten Menchenrechte werden schon in der Bibel geboten – dass sich die Menschheit nicht eher dran gehalten hat, ist nicht Gottes Schuld.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>