Der ganz normale Wahnsinn

Foto © APA

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In einem Artikel der Kleinen Zeitung vom 17.05.2012 meldete sich der Wiener Erzbischof Christoph Schönborn zu Wort. Seine Statements über homosexuelle Menschen müssten bei jedem vernunftbegabten Menschen die Alarmglocken schrillen lassen. Von Markus Arch

Ausgangspunkt seiner Wortmeldungen ist die Aufregung um die Wahl eines homosexuellen Pfarrgemeinderats in der Pfarre Stützenhofen im Weinviertel. Dieser wurde aufgrund seiner sexuellen Ausrichtung vom dortigen Pfarrer zunächst abgelehnt, Schönborn selbst jedoch bestätigte seinerseits die Wahl. Man könnte meinen, dies wäre ein Signal der österreichischen katholischen Kirche, sich langsam aus ihren mittelalterlichen Dogmen zu befreien. Doch weit gefehlt:

“Gegenüber homosexuellen Paaren müssten sich die Pfarrer streng an die Lehren der Kirche halten. ‘Wir sind überzeugt, dass diese Lehren den Weg zum Glück führen. Wir müssen jeden helfen, ein Leben zu führen, das diesen Lehren entspricht’, sagte Schönborn im Interview mit der italienischen Tageszeitung ‘La Stampa’ am Donnerstag”

Die Kirche muss also homosexuellen Personen dabei helfen, ihre eigenen, veralteten und aus heutiger Sicht unhaltbaren Ideen zu teilen. Das Verständnis der Menschenrechte, in Bezug auf (sexuelle) Selbstbestimmung, welches hier an den Tag gelegt wird, ist an sich schon sehr interessant. Doch seine weiteren Aussagen setzen noch eins drauf:

“Die Position der Kirche über diese Themen hat sich nicht geändert und es handelt sich nicht um einen Präzedenzfall. Es ist nur ein besonderer Fall, wie es viele gibt. Die Kirche hat stets Barmherzigkeit den Sündern gegenüber gezeigt und wir sind alle Sünder”

“Ein Weg der Bekehrung ist notwendig: Das gilt sowohl für wiederverheiratete Geschiedene, als auch für diejenigen, die in homosexuellen Beziehungen leben. Man muss ihnen helfen, einzusehen, dass dies nicht der Plan Gottes ist. Wenn sie unfähig sind, den Lehren der Kirche zu folgen, sollen sie das mit Demut einsehen, Gott um Hilfe bitten, beichten und versuchen, nicht mehr zu sündigen. Wir können Gottes Plan nicht ändern. Wir können uns aber daran erinnern, dass mit unseren Sünden Gott endlos barmherzig ist”

Zuerst mal frage ich mich, woher die Kirche wissen will, was denn der Plan Gottes ist. Dazu ein Gedankenspiel:

  • Gott macht homosexuelle Menschen
  • Diese erfüllen dann nicht seine Pläne, da Homosexualität Sünde ist
  • Die Kirche muss deren Lebensweise korrigieren

Diese Argumentationslinie hinkt hinten und vorne, mal ganz abgesehen davon, dass die Existenz des christlichen Gottes im Großen und Ganzen widerlegt ist. Auch sein vermeintlicher Sohn, Jesus Christus, war ein völlig anderer, als Schönborn und seine Glaubensbrüder (Schwestern gibt es in der kath. Kirche ja keine) uns vormachen wollen. Näheres hierzu findet sich in Kubitza’s Jesuswahn.

Gott scheint also selbst nicht zu wissen, was er will, oder aber er ist ein ziemlicher Pfuscher- nichts anderes wird ihm hier, im Namen der Frömmigkeit, unterstellt.

Die Meinung, dass die kath. Kirche stets Barmherzigkeit mit von ihr als Sündern deklarierten Menschen hatte, lässt sich relativ einfach mit einem Blick in ein Geschichtsbuch negieren. Wer keines zuhause hat, der durchsuche ganz einfach das Internet nach aktuellen Nachrichten zur katholischen Kirche.

Es ist eigentlich nur als wahnsinnig zu bezeichnen, Demut von Leuten zu fordern, welche die eigenen, überholten und lange widerlegten Weltsichten nicht erfüllen. Aber was soll man von einem Verein wie der Kirche auch erwarten. Die Einhaltung selbst herbei fantasierter Dogmen noch als Tugend zu deklarieren, lässt doch stark an einer Ankunft im 21. Jahrhundert zweifeln. Vogel-Strauß-Gebaren erspart Nachdenken und (in diesem Falle schon lange überfällige) Selbstreflexion.

An sich wären die Meinungen einzelner Bischöfe, Pfarrer oder sogar Päpste bestenfalls Stoff für eine Karikatur- die Sache ist allerdings, dass genau jene reaktionären und keiner sachlichen Argumentation zugänglichen Menschen mit Millionen Euro vom österreichischen Staat subventioniert werden.

Des Weiteren haben sie nach wie vor großen gesellschaftlichen Einfluß, ihre weltliche Macht wurde ihnen zum Glück ja bereits zum Großteil entzogen. Der Unsinn, den die Kirche da von sich gibt, scheint wohl nur deswegen nicht mehr so stark als solcher wahrgenommen zu werden, da wir in Österreich bereits damit aufwachsen.

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