Glaube vs. Wissen

Univ.-Prof. Dr. Heinz Oberhummer

Univ.-Prof. Dr. Heinz Oberhummer

Nachdem der studierte Theologe Gerhard Klein (57) schon ab 9. August 2010 die Leitung der Wissenschaftsabteilung im Fernsehen zusätzlich zu seiner Tätigkeit als Chef der ORF-TV-Hauptabteilung “Religion” übernommen hat, wurden unlängst die beiden Abteilungen „Wissenschaft“ und „Religion“ des ORF zusammen gelegt. Dass Besetzungen von Leitungspositionen im ORF oftmals in Österreich nicht der Bestqualifizierte zum Zuge kommt, sondern durch Parteienpräferenzen, Machtkämpfe, Postenschacher und Gender Mainstreaming entschieden werden, ist ja allgemein bekannt. Es soll aber in diesem Fall betont werden, dass Gerhard Klein die Hauptabteilung „Religion“ im ORF sehr gut geleitet hat. Aber darum soll es hier gar nicht gehen. Vielmehr warum Religion und Wissenschaft nicht zusammen gehören und sogar konträr sind. Dass die Abteilungen „Wissenschaft“ und „Religion“ im ORF zusammen gelegt werden sollen, ist nämlich widersinnig und die schlechteste Option überhaupt.  

Warum Religion konträr zur Wissenschaft ist  

Zunächst müssen wir Religionswissenschaft und Religion unterscheiden. Die wissenschaftliche Erforschung von Religionen umfasst mehrere Bereiche, wie Religionsgeschichte, Religionssoziologie, Religionsethnologie, Religionsphänomenologie, Religionspsychologie und Religionsphilosophie. Die durchaus spannende Forschung auf diesen Disziplinen ist eindeutig der Wissenschaft zuzuordnen. Hingegen ist die Religion gleichbedeutend mit Glauben, der stets die absolute und fundamentale Wahrheit über einen Inhalt, wie zum Beispiel der Existenz Gottes, unterstellt. Religiöser Glaube ist im Prinzip unveränderlich, dogmatisch, unbeweglich, konservativ, starr und eingefroren. Die wichtigsten Religionen haben sich Jahrhunderte, ja Jahrtausende lang kaum verändert. Sowohl die Bibel als auch der Koran sind durch unser modernes naturwissenschaftliches und humanistisches Weltbild längst überholt.  

Wissenschaft ist hingegen das, was “Wissen schafft”, also die Methode mit der man Wissen gewinnt. Wissen ist grundverschieden vom Glauben. Die wichtigsten Tugenden der Wissenschaft sind Selbstkritik und Kritik. Wissen wird von allen beteiligten Wissenschaftlern und Beteiligten ununterbrochen überprüft, modifiziert, und verbessert. Zur wissenschaftlichen Methodik gehört zum Beispiel die Überprüfung, Begutachtung, und Kritik aller anderer gleichberechtigten Wissenschaftlern im so genannten „peer review system“. Alle faktischen Erkenntnisse der Wissenschaft sind deshalb immer auch hypothetisch, also vorläufig und unsicher.  

Fazit  

Wissenschaft ist konträr zum religiösen Glauben, der unveränderlich, fundamentalistisch, dogmatisch, starr, ja tot ist. Wissen hingegen verändert sich ununterbrochen, ist im Fluss, entwickelt sich weiter und ist mit einem Wort lebendig. Jeder kann in diesem Sinne selbst entscheiden ob er dem toten Glauben oder dem lebendigen Wissen den Vorzug geben will. Dass die Abteilungen „Wissenschaft“ und „Religion“ im ORF zusammen gelegt worden sind ist daher ohne Sinn und die schlechteste Entscheidung überhaupt. Es entspricht nicht den europäischen Erfordernissen und Zielvorstellungen vom Aufbau einer wissensbasierten Gesellschaft, sondern stellt einen Rückschritt dar. Denn dass bei einer öffentlichen Rundfunkanstalt die Wissenschaft zusammen mit Religion in einen Topf geworfen wird, das gibt es vermutlich – falls es dort überhaupt was Wissenschaftliches gibt – nur bei TV-Stationen im Vatikan oder Iran.  

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One Response to Glaube vs. Wissen

  1. evidentist says:

    Ich lebe in Deutschland und mein Bild von Österreich ist tief geprägt von Thomas Bernhard (“nationalsozialistisch und katholisch”), aber auch ambivalent, denn Thomas Bernhard ist schließlich auch Österreich. Und Heinz Oberhummer und seine Science Busters sind auch Österreich. Das Land hat eine sehr engagierte Skeptikerbewegung, die dem ORF sicher gehörig aufs Dach steigen wird. Durch Euch hat sich mein Bild von Österreich sehr zum Positiven verändert. :)

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