Die schwarzen Schwäne in der öster.-kath. Kirche

Niko Alm
Niko Alm

Ich starte wieder einmal mit einem (je nach Lesart: un)passenden Vergleich:

Der Sozialnationalismus der FPÖ hat auch gute Seiten. Die Partei hat sich sehr oft glasklar offiziell von rechtem Gedankengut distanziert. Einzelne Ausreißer mag es vielleicht geben, aber die werden natürlich gemaßregelt, und eventuell sogar irgendwohin verräumt! Jedenfalls wird ihnen ordentlich der Kopf entflaust, aber das geschieht parteiintern und nicht öffentlich.

Mich (und wahrscheinlich nur mich) erinnert das ja an die österreichisch-katholische Kirche. Jeder Vorhaltung problematischer Zustände (Vatikan AG, Missbrauch, Williamson, Groër, Laun, …) wird das Totschlagargument entgegengesetzt:
Die Kirche tut ja auch viel Gutes. Als ob das Mitleidsmarketing von Religionsgemeinschaften irgendetwas entschuldigen würde. Klar, die ausschließlich von Männern geführte Caritas, ist eine im Sozialbereich nicht wegzudenkende Organisation. Deswegen ist sie ja auch zu 84% säkular finanziert. Alles, was in der Kirche schlecht ist, wird auf die “Institution” und “schwarze Schafe” abgeschoben.

Auch gut. Wenn es einen einzigen schwarzen Schwan gibt, dann sind vielleicht doch alle Schwäne weiß. Aber wieviele schwarze Schwäne braucht es, dass der Saldo “Die Kirche ist so gut, dass wir über das bissl Böse hinwegsehen können” weiter passt? Einmal davon ganz abgesehen, dass Gutes tun weder Glaubensgrundsätze wahr werden lässt bzw. Privilegien der Kirche rechtfertigt. Das sind aber tatsächlich andere Diskussionen.

Ein diese Woche veröffentlichter Bericht der Betroffen – Plattform Betroffener kirchlicher Gewalt zeichnet ein Bild österr.-kath. Kirche, das für sich selbst spricht.

Hier ein paar Auszüge daraus:

Im Zeitraum März bis Oktober 2010 haben sich 325 Betroffene (28% Frauen, 72% Männer) bei der Unabhängigen Hotline für Betroffene kirchlicher Gewalt gemeldet und über ihre Gewalterfahrungen in den Bereichen sexuelle Gewalt gegen Kinder, körperliche und seelische Misshandlung berichtet.

Haben die das alle erfunden? Ein nicht selten gehörtes … ähm … Argument jedenfalls.

59,1 Prozent der 325 Betroffenen mussten sexuelle Gewalt, 57,2 Prozent körperliche Gewalt und 32 Prozent seelische Gewalt erdulden. 70 Prozent beschrieben die Anzahl der erlittenen Gewalthandlungen mit „häufig“. In der Mehrzahl der Fälle erstreckten sich die Misshandlungen über mehrere Jahre.

Wer waren die Täter?

Niemand hat das riesige Ausmaß des Missbrauchs- und Gewaltskandals erahnt, und es stellt sich die Frage, welche Ursachen für dieses so weit verbreitete Fehlverhalten festzumachen sind. Angesichts der großen Zahl von Betroffenen und insbesondere der großen Zahl an MisshandlerInnen scheint jedenfalls die Sichtweise, es handle sich um einzelne „schwarze Schafe“, empirisch widerlegt.

Hat die Kirche entschieden und konsequent gehandelt?

Die bisherigen Schritte zur „Aufarbeitung“ dieses Skandals sind völlig ungenügend. Das politische Bewusstsein für die Notwendigkeit einer umfassenden, unabhängigen Untersuchung ist nicht vorhanden. Die „Klasnic- Kommission“ ist die Untersuchungskommission jener, die von den Vorwürfen belastet sind.

Jeder kann, soll und darf glauben, was er will. Und jeder muss mit seinem Gewissen vereinbaren können, seine Kinder taufen zu lassen und damit dieser Institution auszuliefern, Kirchenbeiträge zu bezahlen, um damit so bezeichnete Kardinäle, Päpste, kirchliche Würdenträger zu finanzieren. Alles gut und schön, aber niemand soll bitte von vereinzelten schwarzen Schwänen sprechen. Es gibt mehr als genug schwarze, um die Hypothese “Alle Schwäne sind weiß” zu falsifizieren.

Und wer glaubt wirklich, dass Christoph Schönborn von all dem nichts gewusst hat? Warum tut er nichts dagegen? Ist Christoph Schönborn selbst ein schwarzer Schwan?

Einem Konfessionsfreien wie mir darf das zum Glück egal sein, oder?

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