Die Zeit ist abgelaufen

Von Hanspeter Kriegl: http://www.giordano-bruno-stiftung.at/?p=262

Die Anno-Domini-Zählung geht zurück auf den skythischen Mönchsgelehrten Dionysius Exiguus (Dionysius der Geringe), der vor etwa 1500 Jahren lebte. Bei seiner willkürlichen Festlegung geriet Dionysius zwar in Konflikt mit historischen Fakten (z.B. Tod des Herodes), aber er hatte auch ein anderes Ziel vor Augen.

Christliche Weltgeschichten und Chronologien vor Dionysius basierten auf dem biblischen Schöpfungsbericht, der als Analogie zur Menschheitsgeschichte betrachtet wurde. Man versuchte den biblischen Siebentagezyklus der Genesis mit der Geburt von Jesus zeitlich in Einklang zu bringen.

Der erste Versuch erfolgte durch Sextus Julius Africanus zu Beginn des 3. Jh. mit Hilfe seiner Anno-Mundi-Chronologie. Für die Menschheit war darin ein Zeitrahmen von 6000 Jahren ab Erschaffung der Welt vorgesehen. Danach, am Siebenten und zugleich Jüngsten Tag sollte die Auferstehung der Toten kommen. Die Geburt von Jesus wurde von Africanus auf das Weltenjahr 5500 gelegt.

Die Folge dieser Anno-Mundi-Zählung war jedoch fatal, denn 500 Jahre nach Christi Geburt drohte der Weltuntergang. Schon 100 Jahre davor wurde dies offenbar:

“Am Übergang vom 4. zum 5. Jh., d. h. genauer zum Zeitpunkt, als die barbarischen Invasionen apokalyptische Ängste aufkommen ließen, schrieb der afrikanische Bischof Julius Hilarianus z. B. eine Abhandlung über die “Dauer der Welt”, in der er 5530 Jahre seit der Schöpfung bis zur Kreuzigung Christi, und 369 Jahre von dort bis zum Konsulat von Caesarius und Atticis (397 CE) rechnete; damit verblieben, so schloss er, bis zur Auferstehung der Toten noch 101 Jahre.”

Der aktuelle Anlass für Dionysius eine neue Zeitrechnung zu erfinden, war also ein auf der Jahreszählung begründeter Weltuntergang während seiner Lebenszeit. Sein Ziel war (und er war in der Lage das voraus zu berechnen), das Eintreffen des Jüngsten Tags an Hand einer Konjunktion aller Planeten in der Zukunft zu finden.

Tatsächlich fand am 5. Mai 2000 eine sensationelle Konjunktion der klassischen Planeten innerhalb einer Spanne von nur 26° statt. Sie war der eigentliche Grund für die Festlegung des Jahres 1 AD auf einen Zeitpunkt 2000 Jahre davor.

Aus dieser Erkenntnis folgt, dass mit dem Jahr 2000 der Gregorianische Weltuntergangskalender seinen Endpunkt erreicht hat. Wir leben bereits nach der Endzeit. Das christliche Paradigma hat sein selbst gewähltes Ziel erreicht und überschritten. Zeit für die katholische Kirche, die irdische Bühne zu verlassen. Die Apokalypse war unspektakulär, aber das ist wohl eher das Problem derjenigen, die daran glauben.

Eine zweite Chance zum Rausschieben des Ablaufdatums gibt’s nicht. Ehrlicher wäre endlich einzugestehen, dass die Bibel ein Märchen- und kein Geschichtsbuch ist.

Hanspeter Kriegl

Quellen:
http://www.calendersign.com/de/zeitverzoegerer.php
http://www.calendersign.com/de/ak_einrichtung_AD.php

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One Response to Die Zeit ist abgelaufen

  1. Hanspeter Kriegl says:

    Von welt.de: “Matthäus schrieb, Jesus sei vor dem Tod Herodes des Großen geboren, also vor 4. v. Chr. Das gilt heute als am wahrscheinlichsten. Das Jahr eins ist in jedem Fall falsch, doch wir können dem Mönch Dionysius kaum böse sein. Er tat sein Bestes.” “Die Römer zählten die Jahre überhaupt nicht fortlaufend, bis ins sechste Jahrhundert nach Christus nannten sie die Jahre nach den zwei amtierenden Konsuln. Bei absoluten Zahlen richtete man sich im Westen des Reiches nach der nicht ganz sicher zu benennenden Gründung Roms. Die christliche Zeitrechnung, also unser jährlich Brot, begann 525 mit dem Mönch Dionysius Exiguus, der in Rom die Geburt Jesu für das Jahr 754 seit der Gründung Roms ausrechnete. Das erste Jahr von Jesu Leben hatte die Zahl Eins. Von der Null wusste der Mönch nichts, er hätte dafür nach Indien reisen müssen.”
    Quelle: http://www.welt.de/kultur/history/article11605469/Warum-Jesus-nicht-im-Jahr-Null-geboren-wurde.html

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