Radikaler Atheismus – Denn sie wissen nicht, was sie glauben…

Markus Arch

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Von Markus Arch

In letzter Zeit hört man immer öfter das Schlagwort “radikaler Atheismus”. Dies wird auf jeden angewendet, der mit seiner Meinung nicht hinter’m Berg hält und Religionen sowie religiöse Institutionen öffentlich kritisiert. Dass dieses Schlagwort genauso wie die Worte “Islamophobie” sowie seit neuestem “Christianophobie” nur leere Phrasendrescherei ist, scheint keinen zu interessieren.

So etwas wie radikalen Atheismus gibt es schon deswegen nicht, weil Atheismus an sich keine Weltanschauung ist, sondern bestenfalls die Grundlage einer Weltanschauung. Den Satz “ich glaube an gar nichts Höheres, und genau auf dieses Nichts berufe ich mich” wird man nicht hören. Atheisten (ich mag dieses Wort echt immer weniger…) berufen sich meistens auf verfassungsrechtlich geschützte Werte sowie auf wissenschaftliche Erkenntnisse und – nicht zuletzt – auf den gesunden Menschenverstand. Das Problem dabei ist halt: das läuft der öffentlichen Meinung häufig zuwider. Apropos öffentliche Meinung: ratet mal wer da wieder seine Finger im Spiel hat…

Zum Beispiel Dawkins wird gerne vorgeworfen, zu radikal zu sein und Gläubige damit zu diffamieren. Er solle gefälligst etwas Respekt zeigen. Die Sache ist halt die: Respekt muss man sich verdienen, man kann ihn nicht einfach einfordern, nur weil die meisten Menschen auf der Welt nunmal gläubig sind. Und selbst wenn 100.000 Menschen den selben Unsinn glauben, dann bleibt es unter’m Strich trotzdem Unsinn.

Jedenfalls ist mir nicht ganz klar, warum säkulare Meinungen und Forderungen, wie etwa nach Durchführung der eigentlich rechtlich festgelegten Trennung von Staat und Kirche, als radikal empfunden werden. Oder auch öffentliche Kritik an der Institution Kirche selbst. Einerseits wird über die Missbrauchsfälle geschimpft, wenn man aber den Kirchen ihre moralische Vormachtstellung nehmen will, ist man radikal. Wobei sie diese ganz sicher nicht verdient haben, dazu reicht ein kurzer Blick in ein Geschichtsbuch.

Wenn man nun also die christliche Führungsriege kritisiert, fühlen sich anscheinend alle Christen beleidigt. Wobei diese eigentlich selbst kaum mehr an den Papst oder die hirnrissigen Statements aus Rom glauben, redet man sonst mit ihnen. Auch wird gemeint, alle Christen würden in einen Topf geworfen. Werden sie aber nicht.

Religion Light ist die am weitesten verbreitete Glaubensrichtung im deutschsprachigen Raum, dagegen sagt auch niemand etwas. Solche Leute denken ihre Ideen nicht zu Ende oder üben sich in Gehirnakrobatik, um diese Ideen in unserer heutigen Zeit aufrechterhalten zu können. Ist aber deren Privatsache, nur sollten sie nicht beleidigt sein, wenn diese in öffentlichen Diskussionen als das hingestellt werden, was sie objektiv sind: nämlich logisch und objektiv einfach nicht mehr haltbar.

Genau da fängt es an: wer also den schön zurechtgelegten kindlichen Glauben objektiv beschreibt, ist radikal. Die Menschen wissen nicht, was sie eigentlich glauben, aber sie verteidigen es. Vermutlich deswegen, weil sie eben keine Ahnung haben, was eigentlich in der Bibel steht. Oder es nicht wissen wollen, da sie dann ihr Weltbild überdenken müssten. Was irgendwo auch nicht leicht ist, zugegeben.

Wobei man da immer zu hören bekommt, es gebe ja viele theologische Deutungen dieser Schrift. Nur ist Theologie eine Pseudowissenschaft, genauso wie Homöopathie. Und kann keine Begründung für irgendwas sein. Wer will denn bitte wissen, was genau so gemeint ist, wie es dasteht, und was man nur anders deuten müsste, als es nunmal dasteht?

Somit sind wir also radikal und ignorant. Sind wir ja irgendwo auch. Ich kann es nicht tolerieren, wenn mir ein erwachsener Mensch mit vollem Ernst erzählt, dass in seinem Kopf ein kleiner Kobold lebt. Oder dass er schon 100mal wiedergeboren wurde und eigentlich ein spirituelles Wesen von einem anderen Planeten ist. Ist doch vollkommen bescheuert. Würden die meisten Christen auch nicht tun.

Also sollten sie auch mal anfangen über ihre eigenen Überzeugungen nachzudenken, anstatt Andersdenkende als radikal zu verurteilen. So ein großer Unterscheid ist da ja nicht, mal vernünftig betrachtet. Hoffentlich war diese Aussage jetzt nicht wieder irgendjemandem zu radikal.

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2 Responses to Radikaler Atheismus – Denn sie wissen nicht, was sie glauben…

  1. Danke für die Beiträge und die Seite – frei nach dem Motto “glauben Sie noch – oder denken Sie schon!”

    Wojtyla selig sprechen?

  2. M.J. Arch says:

    Bitte, man tut’s ja gerne ;-)

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