Religion raus, Ethik rein

Markus Arch

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Von Markus Arch

Ein evangelischer Bischof, ein Alt-Dekan und ein kirchlicher Hochschuldirektor haben vor kurzem an das Unterrichtsministerium appelliert, verpflichtenden Ethikunterricht einzuführen. Auf den ersten Blick ein seltsamer Vorschlag seitens gläubiger Männer. Schließlich gibt es ja Religionsunterricht, der moralische Werte vermitteln soll. Aber, welch Überraschung, natürlich wird da wieder differenziert. 

Ethikunterricht soll eine verbindliche Alternative sein für jene, welchen keinen Religionsunterricht besuchen wollen. Anders ausgedrückt bedeutet das: Wer keine Religion gelehrt bekommt, braucht halt was anderes das ihm moralische Werte vermittelt. Prinzipiell finde ich die Idee sehr gut, Schülern sowas nahebringen zu wollen, leider wurden die Testversuche an österreichischen Schulen bezüglich Ethik- Lehrstunden ja eingestellt. 

Aber: Ist Ethik an sich nur eine Alternative zur Religion, oder nicht doch eine ganze Stufe drüber? Der evangelische Bischof kommentiert: 

“Wenn sich jemand abmeldet (vom Religionsunterricht) – und das steht jedem frei – stellt sich die Frage, ob sich der Staat aus der Verantwortung stehlen kann, etwas an einer sittlichen und ethischen Moral mitzugeben. Es ist nicht gut, wenn jemand 12 Jahre in die Schule geht und nichts über Fremdenliebe und Achtung vor dem Leben hört” 

Vollkommen richtig, das ist nicht gut. Nun stellt sich mir wie gesagt die Frage: Ist Religion somit mit Moral und Ethik gleichzusetzen? …Okay, eigentlich stellt sich mir die Frage nicht, schließlich ist die Antwort natürlich NEIN. 

Ich denke nicht, dass Ethik nur eine Alternative zu Religion sein soll. Viel eher sollte Ethikunterricht verpflichtend für alle eingeführt werden. Also auch für jene, die den Reli- Unterricht besuchen. Oder noch besser: weg mit dem Religionsunterricht aus öffentlichen Schulen, her mit der Ethik stattdessen. 

Da der Staat Österreich ja angeblich säkular ist wundert es mich doch, dass an seinen Schulen Religion überhaupt gelehrt wird. Versteht mich nicht falsch: Meine Reli- Lehrer waren alle sehr gut und ich mochte ihren Unterricht. Lag wohl daran, dass die im Unterricht durchgenommenen Dinge an sich nichts mehr mit Religion zu tun hatten. Vermutlich habe ich genau deswegen ja wirklich was gelernt bei ihnen. Solche Lehrer betreiben praktisch eh schon Ethikunterricht, nur eben unter anderem Namen. 

Wobei ich da jetzt differenzieren muss: Im Reli- Unterricht der Volksschule wurden uns kindergerechte Propagandafilme gezeigt die uns mitteilen sollten, wie toll Jesus und die Bibel sind. Zum Glück hinterließ das bei mir keine bleibenden Schäden. 

Jedenfalls ist Ethik ja ein Fach, wo mit Vernunft an die Sachen herangegangen werden soll, und nicht mit Glauben an einen himmlischen Silberrücken. Im Ethikunterricht sollten natürlich auch verschiedene Religionen durchgenommen werden, schließlich ist es wegen der Meinungsfreiheit klarerweise legitim, religiös zu werden wenn man denkt dies ist eine gute Idee. Aber es sollten die Religionen in vollem Umfang gezeigt werden, nicht nur häppchenweise und stark auf eine Richtung zugeschnitten, wie beim jetzigen Reli- Unterricht der Fall. Auch liegt hier die Betonung auf verschiedene Religionen, also nicht nur eine einzige, die wie so viele andere meint, die Moral für sich gepachtet zu haben. 

Ach ja, noch ein wichtiger Punkt: Irgendwann in der Diskussion kam die Idee auf, Religionslehrer die Ethik doch gleich mitunterrichten zu lassen….wieso das eine Schnapsidee ist, brauch’ ich wohl nicht näher zu erklären. 

Und wieso beim jetzigen System wie auch den Aussagen der drei religiösen Männer nach Religiösität vorausgesetzt wird, um ethisch verantwortungsvoll handeln zu können ist auch nicht nachvollziehbar. Im Grunde sagen sie ja, wer Religion nicht gelehrt bekommen will, braucht Ethik eben woanders her. Ziemlich großer Denkfehler, meine Herren. 

Um ethisch handeln zu können muss erstmal Ethik vermittelt werden und nicht Religion, denn das sind zwei grundverschiedene Dinge und keinesfalls das Gleiche. Abgesehen davon: Die Geschichte hat bewiesen und beweist ja immer wieder, dass gerade die größten Religionseiferer alles andere als ethisch handeln. 

Lange Rede, kurzer Sinn: Religion raus, Ethik rein. 

Quelle: Der Standard

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2 Responses to Religion raus, Ethik rein

  1. Alexander says:

    Im Kanton Zürich in der Schweiz diskutiert man gerade darüber ob man das Schulfach “Religion und Kultur” retten kann. Ich für die Abschaffung dieses Schulfachs. Meiner Ansicht nach sollte es durch ein neues Schulfach für “Philosophie, Ethik und Moral” ersetzt werden. Ethik und Moral aber auch die Erkenntnisse grosser Philosophen kommen in unserer Bevölkerung viel zu kurz.

  2. Die Diskussion Ethik- verso Religionsunterricht ist bei uns in Polen besonders heikel. Im Jahre 1992 wurde vom Unterrichtsminister die Religion wieder in die Schulen geholt. Es soll aber gleichzeitig Ethik unterrichtet werden. Und nach 20 Jahren Religion gibt es in allen und Ethik in ca. 1,5% polnischen Schulen. Das Ministerium und die Kirche unternehmen alles damit so verbleibt.
    Wenn jemand polnisch versteht bitte die Internet-Seite
    etykawszkole.pl
    zu besuchen. Sie werden erfahren wie die Polnische Rationalisten Gesellschaft – http://www.psr.org.pl – versucht diese Situation zu ändern.

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