Ist Gott unintelligent oder schlampig?

Univ.-Prof. Dr. Heinz Oberhummer

Univ.-Prof. Dr. Heinz Oberhummer

Von Univ.-Prof. Dr. Heinz Oberhummer 

Das Wissen der Naturwissenschaften drängt den Glauben der Religionen in der Erklärung des Universums immer mehr zurück und hat sie längst überholt.  

Es wird manchmal behauptet, dass Naturwissenschaften und Religionen nichts miteinander zu tun haben, weil Religionen das „Warum“ und Naturwissenschaften nur das „Wie“ im Universum behandeln. Aber solange behauptet wird, dass Gott in unser Universum eingreift, wie zum Beispiel in der Schöpfung, der Evolution oder auch durch sonstige Wunder, müssen sich die Religionen auch gefallen lassen, dass die Naturwissenschaften das untersuchen und überprüfen. 

Auf diese Weise wurde und wird durch die Naturwissenschaften ein behauptetes Wirken Gottes im Universum immer weiter zurückgedrängt. Früher glaubte man zum Beispiel, dass Blitz und Donner Ausdruck eines zürnenden Gottes sind, heute weiß man, dass das eine simple elektrische Entladung ist. 

Es ist längst schon allen außer religiösen Fundamentalisten klar, dass die Entwicklung des Lebens auf der Erde nicht mehr durch göttliche Eingriffe erklärt werden muss, sondern durch die Evolution beschrieben wird. Durch die Errungenschaften der modernen Kosmologie werden nun aber die Religionen auch noch von ihrer letzten Bastionen vertrieben. 

Kosmische Feinabstimmung 

Unter der kosmischen Feinabstimmung des Universums versteht man, dass die Werte von grundlegenden physikalischen Größen genau so sind, dass auch Leben in unserem Universum existieren kann. Wären diese Werte nur um Bruchteile von Prozenten anders, würde es nirgendwo in unserem Universum Leben geben. 

Eine besonders wichtige Konstante in Bezug auf diese Feinabstimmung ist die so genannte kosmologische Konstante. Diese Größe bewirkt, je nachdem sie negativ oder positiv ist, eine abstoßende oder anziehende Wirkung des Raums. Im Prinzip könnte die kosmologische Konstante jeden beliebigen Wert annehmen. Astronomische Beobachtungen zeigen, dass die kosmologische Konstante in unserem Universum einen extrem kleinen positiven Wert besitzt. 

Wäre dieser Wert wesentlich größer, so würde sich das Universum wegen der zusätzlichen Abstoßung so schnell ausdehnen, dass keine Sterne und Planeten und damit Leben entstehen könnte. Wäre der Wert jedoch wesentlich kleiner, würde das Universum wegen der zusätzlichen Anziehung bald wieder in sich zusammen fallen. Auch in einem solchen Universum könnte wegen der kurzen Lebensdauer des Universums kein Leben entstehen. Es gibt also nur einen ganz gewissen Wertebereich den die kosmologische Konstante haben darf, sodass auch Leben in einem Universum entstehen kann. 

Multiversum als Erklärung für die Feinabstimmung 

Die meisten Kosmologen nehmen aus mehreren Beobachtungen und Hinweisen an, dass es nicht nur unser eigenes Universum gibt, sondern sogar unendlich viele. Diese Universen können sich in den Werten der physikalischen Grundgrößen wie der kosmologischen Konstante unterscheiden. Nur in wenigen Universen wird die kosmologische Konstante einen solchen Wert haben, dass dort Leben möglich ist, in vielen anderen jedoch nicht. Wir leben offensichtlich in einem solchen lebensfreundlichen Universum, was die kosmische Feinabstimmung in unserem Universum zwanglos erklären kann. 

 

Religiöse Kreise, welche dem „Intelligent Design“ eines Schöpfergottes anhängen, lehnen jedoch das Multiversum ab. Sie glauben nämlich, dass ein Schöpfer die kosmische Feinabstimmung im Universum bewirkt hat und zum Beispiel den Wert für die kosmologische Konstante eben lebensfreundlich für das Universum gewählt hat. So behauptet Kardinal Schönborn, dass die Hypothese eines Multiversums erfunden worden sein, um die erdrückenden Beweise moderner Wissenschaft für Sinn und Design im Universum zu umgehen. 

Es gibt aber nun eine neue wissenschaftliche Arbeit von Don N. Page von der Univ. Alberta, die zeigt, dass der Wert der kosmologischen Konstante für unser Universum zwar im lebensfreundlichen Bereich liegt, aber nicht optimal für Leben ist. Das gibt natürlich ein Problem für Religionen, denn warum sollte ein allwissender und unfehlbarer Gott weniger intelligent im Design eines Universums als ein Kosmologe sein? Oder hat er bei der Erschaffung des Universums gar geschlampt? Die einzige mögliche Lösung für die Religionen aus dieser Zwickmühle ist, dass Gott als den elegantesten Weg die Erschaffung eines Multiversums gewählt hat. Das wird übrigens auch vom gläubigen Autor des Artikels vorgeschlagen. 

Fazit 

Der Glaube an einem allwissenden und unfehlbaren Gott ist für die Religionen nach dem derzeitigen Wissen nur zu retten, wenn gleichzeitig die Hypothese eines Multiversums akzeptiert wird. Es ist schon merkwürdig, dass die von der Intelligent-Design-Bewegung abgelehnte naturwissenschaftliche Hypothese eines Multiversums der letzte Rettungsanker für einen intelligenten Schöpfergott sein könnte. 

Veranstaltung 

Mehr dazu in den beiden Vorstellungen der Science Busters
String, String, Brüderlein, String – Mit Schleifenquanten und nackten Singularitäten unterwegs im Multiversum zur Weltformel” am 11.3., 17.3. & 14.5.2011 im Wiener Rabenhof Theater: http://www.rabenhof.at 

Weiterführender Link
arXiv.org: Don N. Page, Preliminary Inconclusive Hint of Evidence Against Optimal Fine Tuning of the Cosmological Constant for Maximizing the Fraction of Baryons Becoming Life, http://arxiv.org/abs/1101.2444

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15 Responses to Ist Gott unintelligent oder schlampig?

  1. Luzifer says:

    Evolution funktioniert doch nur durch das Eingreifen von Göttern

  2. fatmike182 says:

    @ Luzifer
    Jeder kann zu seinem Viagra sagen wie er will… Gott, Pille, Genitallupe

    @ Heinz Oberhummer
    Gut gebloggt! Das “die nicht-optimale Feinabstimmung ist Gottes Strafe für eure Sünden” lässt schon auf sich warten. Einstweilen ein weiteres Argument der Kreationisten zerstört!

  3. Peter Knögler says:

    Danke für den erbauenden und durchaus nachvollziehbaren Artikel!

  4. nihil jie says:

    es ist nicht mal nötig “Multiversen” zu bemühen um die Feinabstimmung zu erklären. man könnte eine trillion würfel werfen, sich den wert aufschreiben und versuchen danach das noch mal zu wiederholen…. jeder wird sofort erkennen, dass das ziemlich unwahrscheinlich ist. dennoch existiert dieser aufgeschriebene wert schon… der wurde nämlich schon bei dem ersten mal geworfen.

    wäre die feinabstimmung anders, wäre das universum auch anders… ohne menschen halt. stelle man sich jetzt vor in dem universum würden auch lebewesen leben die grundverschieden von uns sind (nur ein gedankenspiel). dann hätten diese entdeckt, dass es so etwas wie eine feinabstimmung gibt, dann wären sie sicherlich auch denken “wäre diese feinabstimmung nur ein klein wenig anders gäbe es uns nicht”

    nur weil es in einem universum mit einer anderen feinabstimmung keine lebewesen geben kann (nach den gesetzen der physik und uns bekannten biologie) heisst das noch lange nicht, dass sie keine daseinberechtigung hätten udn nicht einmalig wären. wer sagt oder bestimmt, dass ein universum intelligente beobachter hervorbringen muss um ein ernst zu nehmendes universum sein zu dürfen ? ;)

  5. Maslo Wolfgang says:

    Selbstverantwortung ist den Menschen aufgetragen.
    Jeder kann tun, was er mag, aber jedwedes Tun hat Folgen.
    Auch Gedanken sind unverlierbare Energien die Folgen zeitigen.
    Der Gedanke, dass wir Menschen selbst erst den Gott schaffen, den wir vertrauen können, gefällt mir und ist mir einleuchtender, als ein Gott der Rache, des Geizes und des Neides.
    Es ist die letzte Philosophie, die Philosophie der Liebe und der Vernunft.

    Ein Universum der Liebe, warum nicht, es würde die Menschheit jedenfalls weiter bringen als der Materialismus des Egoismus.

  6. Rudi Ratlos says:

    Bitte nicht den Oberhummer. Wie im Club2 und auch andernorts ist der Mann peinlich, ignorant, unwissenschaftlich.

    Während die Wissenschaft als solches prinzipiell anerkannt, dass es Phänomene gibt, die sie nicht oder noch nicht erkennen, beschreiben, erklären kann, gibt es das für Oberhummer nicht; denn für ihn existiert lediglich das, was heute und jetzt durch Wissenschaft beschreibbar ist (als ob sich die Wissenschaft nicht weiterentwickeln würde), alles was derzeit nicht wissenschaftlich beschreibbar, berechenbar usw. ist, existiert für ihn schlichtweg nicht –> ergo ein klarer Nichtwissenschaftler bzw. ein Fasler mit etwas Physik Kenntnissen, der sich aber darüberhinaus, überall wo er auftritt, anmaßt, weit über die Deutungshoheit seiner Disziplin hinauszugehen.

  7. Ja Rudi, bist ein ganz pfiffiger WISSENSCHAFTLER kommt von Gschaftler.. da L ist überflüssig. Wer ist da wohl der Fasler?

  8. nihil jie says:

    @Rudi Ratlos

    bin der gegenteiliger auffassung. ich mag des herren Oberhummer engagement für die wissenschaft. ich finde sie weder überzogen noch zu weit über ziel befördert. herr Oberhummer wird zwar bei diversen diskusionen recht impulsiv und vertritt seine standpunkte zwar mit gewisser “inbrunst”, aber das steht jedem zu, wie ich finde.

  9. Volle Zustimmung zu den Ausführungen von Herrn Oberhammer. Aber selbst wenn die – spekulative – Theorie der Multiversen nicht stimmen sollte, gibt es eine weitere, inzwischen mindestens so begründete Theorie, die die Quantennatur der Materie ins Spiel bringt. Statt eines einmaligen Urknalls nehmen einige Kosmologen eine unendliche Abfolge von Expansion und irgendwann wieder eintretender Kontraktion an. Statt von einem Big Bang (Urknall) spricht man deshalb von einem Big Bounce (Abpraller, Umschwung). Akzeptiert man diese Theorie von einem ewig wiederkehrenden, zyklischen Universum, dann könnte aufgrund der im Quantenbereich stets wirkenden Zufälligkeiten immer wieder auch von allein die Konstellation von Naturkonstanten auftreten, die ein menschenfreundliches Universum ermöglicht. Und in einem solchen Universum leben wir – zufällig – derzeit.

    Wer das etwas genauer nachlesen möchte, sei verwiesen auf das Buch “Warum ich kein Christ sein will” (4. Auflage), Seite 77f.

  10. Rudi Ratlos says:

    Ich habe mich selten für den Auftritt eines “Wissenschaftlers” so fremdgeschämt wie für den von Oberhummer beim Club2. Nicht nur, dass der Mann Positivist und Physikalist ist, er kann in keiner Weise über seinen sehr beschränkten Horizont hinausblicken, poltert und verordnet schulmeisternd eine Geisteshaltung wie zu Zeiten des tiefsten Mittelalters, als die Kirche absolute Deutungshoheit hatte.
    Ginge es nach Oberhummer, wäre Amerika bis heute nicht entdeckt, denn er meint ja, was noch nicht entdeckt ist (im wissenschaftlichen Sinne erkennbar, beschreibbar, berechenbar usw.), kann es ja auch gar nicht geben, also wozu danach suchen.
    Gerade die moderne Physik, die uns oftmals viel mehr davon zeigt, was wir alles nicht wissen/verstehen, als uns zu klar einordenbaren Erkenntnissen zu bringen, sollte dem Mann ja eine gewisse Offenheit eingeben, aber ignorant und sturschädlert wie der ist, pickt er sich selbst aus der eigenen Disziplin nur jene Rosinen raus, die eben sein eingeschränktes Universum bestätigen und lässt alles Widersprechende geradewegs einfach weg (und Physik ist obendrein ja nur ein kleiner Teil der Wissenschaft, die er aber glaubt, vertreten zu können).

    Ein Wissenschaftler (und alexandra Nilsson, als Hinweis, es sind beide Schreibweisen richtig, sowohl Wissenschafter, als auch Wissenschaftler [mit L] – also einfach mal ab und zu ein Lexikon aufschlagen) beschäftigt sich mit Pro und Contra … ein Oberhummer beschäftigt sich nur mit seinem Pro und diskreditiert alle Contras, statt sich in wissenschaftlicher Manier damit auseinanderzusetzen. Ergo ist Oberhummer KEIN Wissenschafter/Wissenschaftler, sondern bestenfalls sowas wie ein dogmatischer Kirchenmann der Physik.

  11. carl says:

    ja, rudi ratlos, weil du so klug bist wurdest du ja auch für den nobelpreis nominiert und oberhummer nicht ;-)

  12. Rudi Ratlos says:

    @Carl

    Wenn du deine Aussage noch mal liest, wirst du ja selbst leicht erkennen, wie dumm und sinnfrei sie ist. Wenn du etwas nach wissenschaftlichen Kriterien zum Thema sagen hast, dann tu das.
    Oder bist du einer jener Obrigkeitshörigen, die ungeprüft übernehmen, was irgendeine “unfehlbare” Instanz sagt, sei es der Papst, der Präsident, der Oberhummer usw.
    Die Zeit der Autoritätenhörigkeit ist eigentlich längstens vorbei, ein paar Ewiggestrige allerdings haben das noch immer nicht verstanden. Die Wissenschaften müssen sich mit Argumenten selbst begründen, nicht mit Autoritäten. Denk mal drüber nach, carl!

  13. Rudi Ratlos says:

    http://derstandard.at/1297818401701/Ich-habe-selber-ein-Gipfelkreuz-aufgestellt

    Um auch mal was Positives zu sagen: Hier macht er sich ja gut, der Oberhammer. Die Forderung nach Ethikunterricht (am besten durch Philosophen anstatt Theologen) kann man als aufgeklärter Mensch ja nur unterstützen.

  14. M.J. Arch says:

    ich sehe dies etwa am Beispiel Schmidt-Salomons, der ja in einigen deutschen Fernsehshows mitdiskutiert hat. Mal waren seine Auftritte sehr gelungen, mal sehr mäßig.
    Des weiteren halte ich den Vorschlag der Beschäftigung mit allen pro und contras für vernünftig, allerdings ist ein Oberhummer, MSS, wer auch immer, nicht dafür da alle Standpunkte immer wieder von neuem wiederzukäuen, sondern als Persönlichkeiten öffentlichen Interesses müssen sie nunmal klar Stellung beziehen. Für die vollständige Auseinandersetzung mit solchen oder anderen Themengebieten gibt es für den Interessierten jede Menge Bücher, und wer nicht soviel lesen will findet auch auf Youtube viel Spannendes.

  15. Regina S. says:

    Ich vermute, Gott ist ein bisschen schlampig. Angeblich hat er uns ja nach seinem Ebenbild erschaffen. Demnach müsste er mehr oder minder menschlich sein. Und Schlampigkeit ist nun wirklich ziemlich menschlich.

    Im Übrigen kann ja jeder glauben was er will – solange er die anderen damit in Frieden lässt.

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