Für was soll das gut sein?

Markus Arch

Markus Arch

Von Markus Arch

Diese Frage taucht in meinem Kopf immer wieder auf, wenn mir geraten wird toleranter und verständnisvoller gegenüber religiösen Menschen zu sein. Jeder habe schließlich seinen Glauben, und dieser müsse unhinterfragt und vor allem unkritisch akzeptiert werden. Meine Frage hierbei lautet nun: Müssen wir Unsinn als gesellschaftlich relevant und unantastbar ansehen, nur weil er vom Großteil der Menschen geteilt wird?

Ich möchte hier nicht über religiöse Institutionen schreiben, wie etwa den Vatikan oder dergleichen, sondern mich mit dem Weltbild und dem Glauben des “normalen” österreichischen Staatsbürgers auseinandersetzen, der ja meist auch nicht viel übrig hat für Herrn Ratzinger und dessen Weltsicht. Wobei ich eines klarstellen muss: ja, man kann vom römisch- katholischen Christentum als Ganzes sprechen, also quasi als abstrahiertes Gedenkengefüge. Selbstverständlich sind wir alle Individuen und der Glaube sowie die Einstellung zu solchen Themen ist teilweise sehr unterschiedlich, auch zwischen den einzelnen Gruppierungen wie den Christen, den Muslimen, oder auch den Atheisten. Aber: wenn etwa vom Religionsunterricht die Rede ist, wird kein Wort darüber verloren, welche christlich geprägte Weltsicht nun auf den Lehrplan soll. Auch wenn es allgemeiner um so genannte moralisch- christliche Werte geht wie z.B. Nächstenliebe, fragt niemand welche Art des Christentums nun gemeint ist. Wenn aber nun Kritik daran geäußert wird hört man immer wieder: ich weiß nicht von welchem Christentum du sprichst, mein christlicher Glaube ist da völlig anders. Das ist ein billiger Taschenspielertrick angesichts der vorher erwähnten Beispiele für’s Christentum im alltäglichen Leben. Wobei dann bei mir sofort wieder die Frage auftaucht: wenn man nicht an die elementarsten Grundsätze der christlichen Lehre glaubt, wieso soll man sich Christ nennen?

Aber zurück zur Ausgangsfrage: wieso soll man Blödsinn akzeptieren nur weil es weit verbreiteter Blödsinn ist? Ich sehe keinen stichhaltigen Grund hierfür. Mag sein dass der Glaube den Menschen vor allem in schwierigen Zeiten Trost und Hoffnung gibt. Allerdings kann dies der Glaube an einen allmächtigen rosa Elefanten auch, vorausgesetzt der rosa Elefant ist auch noch allgütig. Der Glaube an Gott ist nun unantastbar, der Glaube an den rosa Elefanten ist Unsinn, da werden mir wohl auch viele streng gläubige Christen zustimmen. Meine Gegenthese zu Religion als Mittel gegen Trauer und Schmerz lautet nun: wäre es nicht sinnvoller und auch viel humaner, für z.B ein sterbendes Familienmitglied im Leben da zu sein sowie seine letzten Stunden noch so schön wie möglich zu gestalten, anstatt darauf zu hoffen dass er oder sie an “einem besseren Ort” ist und dafür dann in der Kirche zu beten?

Wobei ich mich wieder frage, was denn dieser bessere Ort nun sein soll. Ein Ort an dem man ewig weiterlebt und keinerlei Probleme, sowie damit einhergehend keinerlei Herausforderungen mehr hat? Dieser Ort muss spätestens nach den ersten hundert Jahren doch die Hölle sein. Ist es nicht humaner davon auszugehen dass die verstorbene Person nun einfach schläft (metaphorisch ausgedrückt) anstatt ewig dahinvegetieren zu müssen? Genau genommen nicht nur humaner, sondern um ein zigtausendfaches wahrscheinlicher, aber dies nur am Rande.

Die Religionsfreiheit aber auch die Freiheit der Meinungsäußerung sind grundlegende Errungenschaften der Aufklärung, und nicht der Religion wie gelegentlich auch gern argumentiert wird. Diese Dinge widersprechen sich nun aber, wenn behauptet wird dass der Glaube unantastbar ist. Das Beharren auf der Religion als nicht zu kritisierendes Merkmal eines Menschen ist letztlich nichts anderes als die Forderung, zum Großteil widerlegten Wunschdenken seinen Platz einzuräumen. In der heutigen durch Fortschritt und Technik bestimmten Gesellschaft ist dieses Wunschdenken de facto nichts anderes als ein Relikt aus den Tagen, als man es noch nicht besser wusste. Der Fortschritt, auch in Fragen der Weltanschauung und es Umgangs miteinander, hat es so an sich dass alte unbrauchbar gewordene Ideen und Vorstellungen durch bessere ersetzt werden. Nur im Punkt Religion scheint dies nicht der Fall zu sein und stößt auf teilweise erbitterten Widerstand.

Dieses von mir erwähnte Wunschdenken ist auch der Grund dafür, warum man überall einen Gott sieht, wenn man ihn denn sehen will. Nicht weil er wirklich da ist, sondern weil man sich wünscht, dass er da ist. Wobei auch längst bewiesen ist dass unsere Augen sowie unsere Art die Welt zu sehen keinesfalls den Tatsachen entsprechen muß, die gerade angesehen werden. Natürlich kann sowas auch z.B. mir passieren, und offen gesagt das tut es auch. Der Unterschied ist nun: wenn mir mit vernünftigen, einleuchtenden Argumenten gezeigt wird, dass ich mich irre, bleibt mir nichts anderes übrig als meine Ansichten zu ändern. Ich könnte auch einen anderen Weg gehen und sagen: meine Meinung ist unantastbar! Aber das wäre doch einfach nur dumm und kindisch, oder etwa nicht?

Zusammenfassend lässt sich also festhalten, dass man den infantilen Glauben der Menschen nicht einfach unargumentiert hinnehmen muss, ganz im Gegenteil. Fortschritt, und somit auch bis zu einem gewissen Grad die Verhinderung von Rückfall in ein archaisches Denken, beruht letztlich darauf, dass die Menschen darauf aufmerksam gemacht werden, dass gewisse Dinge Unsinn sind. Die Geschichte hat gezeigt, dass dies den Menschen in fast allen Zeitaltern nicht unbedingt gefallen hat, aber dies kann kein ernstzunehmender Grund dafür sein, es nicht zu tun.

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3 Responses to Für was soll das gut sein?

  1. Rudi Ratlos says:

    Lieber Markus Arch,

    wer ist Ihres Erachtens die Instanz, die bestimmen darf, was Blödsinn ist und was nicht? Sind Sie das? Aha. Da sind Sie aber ganz schön mächtig, wen sie mit letzter und zweifelsfreier Gewißheit über wahr und unwahr entscheiden können. Und das auch noch in metaphysischen Dimensionen; sie haben also exakte Kenntnis über genau jene Dinge, deren Existenz sie ja abstreiten?

    Ich bin der letzte, der die Kleriker verteidigen würde, aber Ihr kleiner Aufsatz, der alles und jedes nach Belieben zusammenmischt, wie es gerade gebraucht wird, erzeugt eher den gegenteiligen Effekt dessen, was wohl Ihre Intention zu sein scheint. Wenn schon Religionskritik, dann bitte stringent. Ihre “Ich glaube nicht” Position hat die gleiche Berechtigung oder Nichtberechtigung wie eine “Ich glaube” Position, im Prinzip ist ihre Position fast ident, nur mit anderen Vorzeichen.

    Darüberhinaus tappen sie in einen Kategorienfehler: Hinter Ihrem Beispiel, wie man besser mit dem sterbenden Familienmitglied umgeht, steht die Frage nach ethischem Handeln. Religion ist aber nicht alleine auf ein Handlungsprinzip zu reduzieren, Religion fragt auch oder sogar zuvorderst nach Wahrheit (ob sie beantwortet wird, ist eine andere Frage). Also die Frage “Wie soll ich (ethisch) handeln?” ersetzt nicht die Frage “Was ist Wahrheit? (+ gibt es Gott, die unsterbliche Seele, usw. usf.)” wenngleich sich erstere sinnvoller Weise von zweiterer ableiten lassen müsste.

    Sie erwarten von der medizinischen Forschung (um ein Beispiel herauszugreifen) ja wahrscheinlich auch, dass sie danach fragt, wie körperliche Prozesse ablaufen, wie und warum Wirkstoffe funktionieren usw., also dass sie nach der dahinterstehenden Wahrheit forscht und nicht nur gewisse Handlungsabläufe a la “Wir haben keine Ahnung warum, aber verabreichen dem Patienten nun jenen Wirkstoff” – wenngleich das in der Praxis natürlich noch immer oft der Fall ist, dass es mangels besserer Methoden auch oftmals so gemacht wird (z.B. weil gewisse empirische Ergebnisse den Erfolg belegen, auch wenn man sich die Vorgänge nicht exakt erklären kann); aber der Anspruch der Wahrheitssuche ist zumindest gegeben. Und so wie Wissenschaft Wahrheit anstrebt, tut Religion das zumeist ja auch (mit Ausnahme einiger fernöstlicher Religionen wie z.B. Konfuzianismus oder Taoismus u.a., die tatsächlich mehr eine Anleitung für ethisches Handeln anstatt Wahrheitssuche/findung sind).

    Der Glaube an den rosa Elefanten oder das Spaghettimonster hat zwar nicht die Historie und Tradition wie andere Religionen, hätte aber streng genommen einen gleichwertigen Geltungsanspruch, wenn man Religions/Meinungsfreiheit ernst nimmt und sich nicht auf Geltung durch große Zahl (viele Gläubige) zurückzieht.

  2. M.J. Arch says:

    Sehr geehrter Herr Ratlos,

    genau jener Kulturrelativismus ist es, der uns in eine Starre versetzt. Bezüglich des Glaubens an monotheistische Gottheiten kann ich sehr wohl sagen, was Unsinn ist und was nicht.
    Bzgl. des Glaubens an universelle Gottheiten kann ich von Wahrscheinlichkeiten ausgehen.
    Des Weiteren habe ich Kenntnis über jene Dinge, die ich abstreite. Dies ist denke ich auch was mich von vielen anderen unterscheidet, die es nicht abstreiten.

  3. M.J. Arch says:

    Des Weiteren:

    ihre Kritik des Durcheinandermischens mag sicher berechtigt sein, dies weiß ich auch. Allerdings handelt es sich hierbei um einen Blog der in meiner Freizeit betrieben wird, somit kann ich dort nicht alle meine Thesen (oder Thesen anderer) in der gebührenden Länge berücksichtigen, auch wenn ich dies oft gern täte.
    Des Weiteren bin ich nicht der Ansicht dass eine Glaubens- und eine Unglaubensposition (auch aus naturwissenschaftlicher Perspektive) gleichrangig anzusetzen sind. Dies war die eigentliche Intention für diesen Artikel.

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