Links oder rechts, nur nie nach vorne…

Markus Arch

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Von Markus Arch

Frau Winter (FPÖ) wurde ja vor kurzer Zeit wegen Verhetzung schuldig gesprochen, da sie anti-islamische Aussagen getätigt hat. Sie mag zwar fragwürdige Ansichten haben, allerdings ist eine Verurteilung mittels eines veralteten und antidemokratisch verfassten Paragraphen, welcher implizit kritische Aussagen über Religionen unterbinden soll, auch in diesem Fall ein Armutszeugnis für eine demokratische Republik. Ihre Aussagen haben sich damals auf den islamischen Propheten Mohammed bezogen, es wurde von ihr also die islamische Religion scharf kritisiert.

Auf der anderen Seite ist dann allerdings H.C. Strache mit einem Kreuz in der Hand zu sehen. Und genau diese Umstände verdeutlichen sehr gut, wieso man Religionskritik nicht den Rechten überlassen sollte. Die eigene Religion gilt als Kulturgut und wird als Zeichen gegen das “Fremde” benutzt, womit sich allem Anschein nach sehr gut auf Stimmenfang gehen lässt. Die große Heuchelei besteht in diesem Fall nun darin, dass der Islam herab gewürdigt, eine in ihren Grundzügen vergleichbare Religion wie das Christentum aber unreflektiert übernommen und instrumentalisiert wird.

Somit wird letztendlich Religionskritik vermischt mit rechter, fremdenfeindlicher Einstellung, wobei die Grenzen dazwischen nicht mehr klar gezogen werden können. Da der Islam durch die mediale Berichterstattung der westlichen Länder ohnehin in den Köpfen der meisten Menschen mit Terrorismus gleichgesetzt wird, gepaart mit Ausblenden oder Unwissen über Unsinnigkeit und Geschichte der eigenen religiösen Kultur, ist dies eine dummdreiste Strategie der FPÖ gewesen.

Auf der anderen Seite haben die “linkslinken Intellektuellen”, wie sie im Internet gelegentlich bezeichnet werden, wohl noch nie etwas vom Paradox der Toleranz gehört, wonach das Tolerieren von intolerantem Verhalten und Gedankengut die eigentlich gut gemeinte Toleranz untergräbt. Stattdessen wird mit der Nazi-Keule auf jegliche religiösen Kritiker eingedroschen, ungeachtet dessen dass nüchterne Betrachtungsweisen jegliche monotheistische Religion zwangsläufig bloßstellen. Es wird mehr Toleranz gefordert, wodurch kultureller Relativismus entsteht welcher letztlich die Ideen der Weltoffenheit und der Toleranz schwächt. Frei nach dem Motto: wer für alles offen ist, ist nicht ganz dicht.

In ihrer Offenheit sollten idealistische Personen eigentlich sehen können, dass das Beharren auf undemokratischen Strukturen, wie es von muslimischen Hardlinern auch in Europa betrieben wird, die unter vielen Verlusten aufgebauten demokratischen Züge unserer Rechtsstaaten nicht akzeptiert, ein gutes Beispiel hierfür ist der vor allem in Deutschland populäre Pierre Vogel. Und dies zu tolerieren zeugt wirklich nur noch von grenzenloser Naivität.

Kritik an Religionen muss in einer demokratischen Republik wie Österreich erlaubt sein, ganz egal von wem sie geäußert wird. Seltsamerweise haben da gerade linksgerichtete Personen ein Problem damit, es soll also aus Gründen der religiösen Freiheitsrechte und der Toleranz Kritik verboten werden, da diese ja zwangsläufig von fremdenfeindlichen Menschen stammen muss. Dieses Paradox wird jedoch von jener Menschengruppe selbst gar nicht gesehen.

Letztlich zeigt eine vertiefte Betrachtung sowohl des Islams als auch des Christentums auf, dass beide Weltreligionen Unsinn und Quelle sowie Begründung ultrakonservativer und/oder veralteter Weltsichten sind. Nur eine allein zu kritisieren ist daher unredlich und zeugt von grober Unwissenheit, kann aber auch strategisch mit anderen Interessen vermengt und somit politisch benutzt werden. Daher ist Religionskritik nicht den Rechten zu überlassen, die sich in Österreich ohnehin nur durch gezielte PR-Aktionen auszeichnen und kaum durch vernünftige Inhalte.

Den Linken ist dies aber genau so wenig zuzutrauen, da sie sich in ihrer idealistischen Sichtweise der Realität sowie eigentlich einfachster logischer Schlussfolgerungen verschließen und, meines Erachtens nach, damit schon beinahe einen Schulterschluss mit religiösen Hardlinern schliessen.

Ich plädiere dafür, Religionen frei von politischen Hintergedanken, egal ob von rechts oder links, anzusehen. In einem Staat wie Österreich, wo ja nach einem deutschen Scherz sogar die Automobilklubs parteilich getrennt sind, wohl ein schwieriges Unterfangen. Jedenfalls wird dabei deutlich, dass auch der Islam, welcher immer mehr als Wurfball in den Machtstreitigkeiten großer Parteien fungieren muss, in seinen Grundzügen antidemokratisch ist und keinerlei politischen oder weltanschaulichen Vorrechte besitzen sollte. Das Christentum in diesem Land, für welches dies ebenfalls gilt, mag zwar fast nur mehr als Religion Light fungieren, jedoch beruht dies auf einem langen und harten Kampf gegen religiöse Diktatur, in diesem Punkt darf man übrigens gespannt sein über den Ausgang des gerade stattfindenden Volksbegehrens. Nur so am Rande: was ist der Islam eigentlich? Dass es in diesem auch unterschiedliche Strömungen gibt wird in der öffentlichen Diskussion gerne ausgeblendet…

Die dualistische Denkweise, mit der an solche Themen herangegangen wird, kann diesen jedenfalls gar nicht gerecht werden. Ich meine damit die Einstellungen “Alle Muslime raus” oder “Alle Muslime rein”, dazwischen scheint es wenig bis gar keinen Konsens zu geben. Und so dreht sich alles immer weiter im Kreis, anstatt dass vielleicht mal etwas vorangehen würde.

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2 Responses to Links oder rechts, nur nie nach vorne…

  1. Immanuel says:

    Was mich an diesen Diskussionen auch stört sind diese Doppelstandards. Es ist modern geworden, über die Kirche, das Christentum, Jesus, die “Pfaffen”, die Kirchenbesucher zu lästern was das Zeug hält. Oft wir in diesem Zusammenhang der (mMn längst überflüssige) Blasphemieparagraph ins Spiel gebracht, der in kirchlichen Angelegenheiten aber ohnehin nicht mehr angewendet wird.

    Ich bin absolut der Meinung, dass Religionen bei Kritik und Polemiken keinen Sonderstatus genießen sollen, aber wenn es um den Islam geht, dann sieht die Sache meist anders aus. Manchmal muss man eben Position beziehen, und auch Leute verteidigen, deren Meinungen und Art nicht gutheißt. Wenn jemand, der vielleicht sogar zur FPÖ gehört, den Islam und Mohammed durch den Kakao zieht, dann ist auf einmal die Rede von Verächtlichmachen einer religiösen Lehre und deren Gläubigen, und die Empörung diverser Atheismus- und Laizismusaktivisten und auch Konfessionsfreien ist auf einmal groß. Kaum zu glauben.

    Vielleicht sollte man in diesem Zusammenhang den der Religionspropaganda unverdächtigen Richard Dawkins erwähnen. Angesichts der zunehmenden Verbreitung des Islams ist er der Meinung, dass es wahrscheinlich ein Fehler war, in Großbritannien das Christentum zurückzudrängen, wenn man sieht was nachkommt.

  2. M.J. Arch says:

    Die Sache ist nur die, dass die erwähnten Doppelstandards gar nicht oder nur marginal als solche wahrgenommen werden.
    Inwieweit es modern geworden ist begründete Religionskritik zu liefern ist hier das große Fragezeichen.
    Auch ist diese Ansichtsweise von Kulturen als geschlossene Räume, wie in deinem Zitat von Richard Dawkins, eine Sichtweise die am ehesten mit dem Tunnelblick vergleichbar ist. Zurückdrängen, Kultur vs. Kultur…das war vielleicht vor 100 Jahren aktuell, heute sicher nicht mehr.

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