Konfessionsfreie

2,4 Millionen Konfessionsfreie in Österreich

Weltanschauungen in Österreich [2014-03-04]

Erklärungen zur Methodologie

Autor: Philippe F. Lorre (Februar 2013)

Allgemeines

In einer Demokratie, die sich den Menschenrechten verpflichtet fühlt, hat sich der Staat weltanschaulich strikt neutral zu verhalten. Diese strikte Neutralität betrifft alle Bereiche, wo die Menschenrechte berührt werden.

Es ist daher nicht Aufgabe des Staates, Zahlen über die (tatsächliche oder vermeintliche) Weltanschauungszugehörigkeit seiner Bürger und Bürgerinnen zu erheben. Zudem sind die weltanschaulichen Überzeugungen sehr verschieden: Die Menschen können philosophische oder religiöse Überzeugungen haben, sie können aber auch all dem völlig indifferent sein. Diese extreme Diversität können staatliche Erhebungen niemals gerecht werden, zumal für den österreichischen Staat nur die Religionszugehörigkeit ausschlaggebend ist.

Die Erhebung solcher Zahlen ist genauso wenig Aufgabe des Staates wie die Erhebung nach Kategorien der Rassenzugehörigkeit. Letzteres ist in den USA immer noch gängige Praxis. In Frankreich sind staatliche statistische Erhebungen basierend auf den Kategorien Rasse und Religion/Weltanschauung hingegen strikt verboten.

Verwendete Methodologie

Auch wenn wir Konfessionsfreie solche Erhebungen strikt ablehnen, sind wir jedoch gezwungen, die erhobenen Zahlen zu berücksichtigen. Diese sind nämlich eine der Grundlagen für die exorbitanten Privilegien (rechtlicher und finanzieller Natur), die den anerkannten Kirchen und Religionsgesellschaften sowie ihren Mitgliedern gewährt werden.

Wir halten uns bei diesen Statistiken strikt an die Methodologie, die vom Staat, aber auch von den Religionen, angewendet wird. Die Grundlage bildet immer noch die Volkszählung aus dem Jahr 2001. Neue Volkszählungen wird es nicht mehr geben. Das Bundesministerium für Unterricht kann allerdings per Verordnung des Ministers bzw. der Ministerin alle zehn Jahre die Zahlen zur Religionszugehörigkeit erheben lassen. 2011 hat Claudia Schmied darauf verzichtet. Daher gelten im Allgemeinen immer noch die Zahlen aus dem Jahr 2001.

Gewisse Parameter werden jedoch in regelmäßigen Abständen gemessen. Es handelt sich einerseits um die Gesamtbevölkerung Österreichs (Quelle: Statistik Austria), andererseits um die Zahlen, die von den Religionen selbst erhoben werden (vor allem durch die katholische und evangelische Kirchen).

Zuständig für die Muslime ist immer noch die IGGiÖ (Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich). Die Ergebnisse der letzte Zählung der IGGiÖ wurde am 23. September 2011 bekanntgegeben.

Als Rationalisten stützen wir uns einzig und alleine auf harte, offizielle und somit unwiderlegbare Fakten. Wir weigern uns auf Spekulationen aller Art einzugehen – wie zum Beispiel die Schätzungen des Österreichischen Integrationsfonds.

Die deutlichen Grenzen der staatlichen Methodologie

Wie wir es bereits betont haben, können solche staatlichen Erhebungen niemals die weltanschauliche Vielfalt widergeben. Dies gilt übrigens auch zum Teil für die Erhebungen, die von den Religionen selbst durchgeführt werden.

Die 2011 von der IGGiÖ bekanntgegebene Zahl entspricht zum Beispiel sicherlich nicht der Realität, weil immer mehr Muslime sich von der IGGiÖ distanzieren und ihren alleinigen Vertretungsanspruch in Frage stellen. Die IGGiÖ kann also nicht als repräsentativ für die Muslime betrachtet werden. Die Zahl der Muslime ist also mit Sicherheit deutlich höher anzusiedeln als jene der IGGiÖ. Dies würde den Anteil der vom Staat als religiös betrachteten Menschen erhöhen.

Wie repräsentativ sind aber die Zahlen von Staat und Religionen? Zieht man andere statistische Erhebungen in Betracht, sieht das Bild dann völlig anders aus. Nach den Ergebnissen des Global Index of Religion and Atheism (August 2012) gehört zum Beispiel Österreich zu jenen Ländern der Welt, wo die Religiosität am Geringsten ist (Rang 8) und der Anteil religiöser Menschen nur bei ganze 42% läge! Zahlen, die übrigens auch von anderen Studien mehr oder weniger untermauert bzw. bestätigt werden.

Zum Begriff »Konfessionsfreie«

Für den österreichischen Staat sind nur die Mitglieder der anerkannten Kirchen und Religionsgesellschaften relevant. Alle anderen Bürger und Bürgerinnen fallen in die Kategorie »ohne religiöses Bekenntnis«.

Diese offizielle Bezeichnung ist in zweierlei Hinsicht höchst diskriminierend, menschenverachtend und – wie wir meinen – menschenrechtswidrig.

In dieser Kategorie sind nämlich Menschen zu finden, die sehr wohl Mitglieder einer (Minderheits-)Religion sind, welche vom Staat nicht anerkannt wird.

Andererseits wird, durch die Verwendung der Präposition »ohne«, implizit oder explizit – wie man es auch nimmt – vom Staat und den anerkannten Religionen, der Eindruck vermittelt, als sei es ein Mangel bzw. ein Makel, nicht Mitglied einer der 14 Staatsreligionen zu sein.

Die Menschen, die in die Kategorie »ohne religiöses Bekenntnis« fallen, haben sich nichts vorzuwerfen, sie müssen sich nicht verstecken, sie müssen sich dafür nicht schämen von ihrem Grundrecht auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit* Gebrauch zu machen und nicht Mitglied einer der 14 Staatsreligionen zu sein. [* Das Grundrecht auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit wird in den Grundrechtskatalogen wie folgt definiert: Sie umfasst »die Freiheit, eine Religion ODER eine Weltanschauung eigener Wahl zu haben oder anzunehmen (…)«.]

Wir lehnen daher die negative Bezeichnung »orB« strikt und vehement ab und ziehen dafür den positiven Begriff »konfessionsfrei« vor.